Buchvorstellung die Honigfabrik
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Buchbesprechung: Die Honigfabrik

Jürgen Tautz und Diedrich Steen wollen uns mit Ihrem Buch „Die Honigfabrik“ das Staunen lehren über die Wunderwelt der Bienen. Sie nehmen uns mit auf eine Betriebsbesichtigung durch den Bienenstock. Als Imkerin schaue ich zwar jede Woche einmal in die Honigfabrik hinein – aus dem Staunen komme ich trotzdem nie heraus. Die Durchsicht meiner Bienen lässt mich in der Regel mit mehr Fragen als Antworten zurück. Imker*innen – auch die erfahrenen – kennen dieses Gefühl.

Auch wenn das Buch „Die Honigfabrik“ ganz ausdrücklich nicht als praktische Anleitung für Jungimker*innen gedacht ist, erhoffe ich mir von der Lektüre doch ein paar Erkenntnisse, ein bisschen mehr Verständnis für die Vorgänge im Bienenvolk und ein wenig unnützes Partywissen on top. Bienen sind als Smaltalk-Thema ja gerade sehr en vogue.

Das Inhaltsverzeichnis liest sich schon mal sehr amüsant. Von Frauenpower, dicken Mädchen und Callboys für die Königin ist die Rede. Ein kleines Mikroskop am Rand weist auf Abschnitte mit wissenschaftlichen Inhalten hin. Mein erster Eindruck: scheint eine schöne Mischung aus lesbar und lehrreich zu sein.

Buchvorstellung die Honigfabrik

Aus dem Inhalt

Die Reise führt tatsächlich durch den ganzen Bienenstock. Die einzelnen Kapitel bauen aufeinander auf und sollten daher der Reihe nach gelesen werden. Im ersten Kapitel werfen die Autoren einen Blick auf das Betriebsgebäude der Honigfabrik. Ein kurzer Abriss von der Urwohnung im Baum bis zur modernen Bienenbeute.

Partywissen aus Kapitel 1:
Südindische Bienen leben auf einer einzelnen Wabe, die sie freihängend unter einem Felsvorsprung befestigen. Imkern heißt dort, an einem Seil hängend, die Wabe mit einem hakenbewehrten Stock abbrechen und möglichst schnell verschwinden. Absolut ungeeignet für Imker*innen mit Höhenangst.

Im zweiten Kapitel legen Tautz und Steen den Fokus auf das Teamwork im Bienenvolk. Wer schon einmal in eine Bienenbeute geschaut hat weiß, da drin sind rund 50.000 Bienen, die alle irgendwie gleich aussehen und das Gleiche tun. Wild durcheinander krabbeln! Doch dieser Eindruck täuscht gewaltig. Im Bienenvolk gibt es diverse Jobs zu vergeben. Bewerben kann man sich dafür nicht. Kaum aus der Wabe geschlüpft, bekommt man eine Aufgabe zugeteilt. Honigmacherin, Türsteherin, Spurbiene, Sammlerin,  Pflegekraft, Heizerin.

Partywissen aus Kapitel 2:
Mit ihrer starken Flugmuskulatur sorgen die Heizerbienen dafür, dass im Bienenstock immer die optimale Temperatur herrscht. Ein anstrengender Job, den sie nicht länger als maximal 30 Minuten machen können. Danach schaffen sie es nicht mal bis zum Honigvorrat. Sie werden an Ort und Stelle von Tankstellenbienen mit Honig betankt.

Buchvorstellung die Honigfabrik

Richtig interessant wird es, wenn die Autoren erklären, warum Drohnen keinen Vater, aber dafür einen Großvater haben. Für alle, die beim Anblick einer Biene, aus Angst vor Stichen wild um sich schlagen, noch ein Wissenshäppchen: Bienen sehen schnelle Bewegungen deutlich besser als langsame. Deshalb Ruhe bewahren. Stillstehen macht unsichtbar und schützt vor Stichen.

In Kapitel drei dreht sich alles um die Produktpalette der Honigfabrik. Und die ist breiter als man zunächst denkt: Bienengift, Gelee royale, Propolis, Pollen, Wachs und natürlich der begehrte Honig. Wie wird er hergestellt? Aus welchen Rohstoffen? Wie entsteht sortenreiner Honig? Wie kommen Imker an das flüssige Gold?

Partywissen aus Kapitel 3:
Für Gärtner*innen zählen Blattläuse nicht gerade zu den sympathischen Gartenbewohnern. Ging mir genauso, bis ich erfahren habe, dass die aromatischen dunklen Honigsorten, ganz oder zumindest zum Teil aus den Ausscheidungen von Blattläusen hergestellt werden. Ja – würziger Waldhonig entsteht aus Läusepippi.

In den Kapiteln vier, fünf und sechs geht es ums schwärmen, kämpfen und sterben. Heavy stuff – gehört aber nun mal dazu.

Mein Fazit

Ich bin ein neugieriger Mensch. Ich sammle gerne Wissen an. Und als Imkerin interessiere ich mich natürlich per se für die Vorgänge im Bienenvolk. Von daher war das Buch für mich ein wunderbares Schatzkästchen, eine Wissensfundgrube und ein Glücksgriff.

Tautz und Steen kennen sich aus im Bienenhaus und sie schaffen es profundes Wissen leicht, verständlich und mit einem Augenzwinkern zu vermitteln. Egal ob Imker*in oder nicht – nach der Lektüre ist man ein bisschen schlauer und schaut der nächsten Biene mit großer Bewunderung hinterher.

Buchvorstellung die Honigfabrik

Bibliografische Angaben

Titel: Die Honigfabrik

Autoren: Jürgen Tautz, Diedrich Steen

Verlag: GÜTERSLOHER VERLAGSHAUS

ISBN: 978-3-579-08669-9

Preis: 19,99 €

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