Kokoscreme Kaya auf Toast
Blogparaden Lieblingsbücher

Buchbesprechung „The Garden of Evening Mists“ (mit Rezept für Kokoscreme Kaya)

Mein Garten liegt noch im tiefen Winterschlaf. Da freut es mich sehr, dass Sabine von schmeckt nach mehr, mein Blogwichtel bei der diesjährigen Wichtelaktion meines Lieblingsnetzwerks,  mich und euch mitnimmt auf eine Reise in einen fremden exotischen Garten. Und obendrauf serviert uns sie uns noch das Rezept für eine köstliche Kokosmarmelade. Hmmm, lecker.

(Und noch ein kleiner Tipp von mir: mehr wunderbare Rezepte von Sabine findet ihr in ihrem neuen Buch „Seelenfutter vegetarisch“.)

Buchcover Garten der Abendnebel

Ein sorgfältig durchgeplanter japanischer Garten inmitten üppig wuchernden tropischen Dschungels: Vielleicht war es dieses Bild des Widerspruchs, der mich dazu gebracht hat, den Roman The Garden of Evening Mists des malaysischen Autors Tan Twan Eng zu kaufen. Um es vorwegzunehmen: Es hat sich gelohnt – und nicht nur, weil ich Gärten, vor allem literarische, sehr liebe.

(Noch eine kurze Vorbemerkung: Ich habe das Buch als englischsprachiges E-Book gelesen, und diese Besprechung bezieht sich darauf. In der deutschen Übersetzung von Michaela Grabinger erscheint das Buch unter dem Titel Der Garten der Abendnebel am 2. Februar 2015 bei Droemer/Knaur.)

 

Das Erinnern und das Vergessen

Der (fiktive) Garten im Titel des Romans liegt in den Cameron Highlands von Malaysia. Hierher kehrt die Ich-Erzählerin, die Richterin Teoh Yun Ling, 1987 zurück. Eine Krankheit raubt ihr allmählich das Gedächtnis, aber bevor sie vergisst, wer sie ist, möchte sie sich noch an das erinnern, was war – vor allem an die Zeit, die sie Anfang der 50er-Jahre im Garten der Abendnebel verbrachte.

Sie war dorthin gekommen, um Aritomo, den ehemaligen Gärtner des japanischen Kaisers und Schöpfer des Gartens, um etwas zu bitten: Er solle ihr als Gedenkort für ihre Schwester, die während des Zweiten Weltkriegs in einem japanischen Arbeitslager umkam, einen Garten anlegen. Der Japaner lehnte ab, bot Yun Ling allerdings an, ihr stattdessen die Kunst der Gartengestaltung beizubringen, damit sie selbst eines Tages den Gedenkgarten anlegen könne. Nach kurzem Zögern willigte sie ein, bei Aritomo in die Lehre zu gehen – einem Mann, dem sie nach ihren eigenen Erfahrungen im Lager zutiefst misstraute.

Yun Ling erinnert sich an die allmähliche Annäherung zwischen Meister und Lehrling, Mann und Frau, Japaner und chinesischstämmiger Malaysierin. Doch auch damals blieben Fragen offen, denen Yun Ling nun, 35 Jahre später, auf den Grund zu gehen versucht: Welche Rolle spielte Aritomo während des Kriegs? Was für ein Lager war es, das Yun Ling wider Erwarten überlebte? Und wohin verschwand Aritomo so plötzlich 1953, um nie wieder aufzutauchen?

Die Welt im Garten

Nicht nur wegen dieser Rätsel hat mich The Garden of Evening Mists bis zur letzten Seite gefesselt. Dass mich das Buch nicht losgelassen hat, liegt auch an der Ich-Erzählerin Yun Ling – und das, obwohl sie keine Figur ist, die einem unmittelbar ans Herz wächst. Die ehemalige Richterin ist hart gegen sich und andere, und sie ist verschlossen bis zur Schroffheit. Im Laufe der Geschichte wird allerdings deutlich, warum sie so geworden ist, und man entwickelt Verständnis und sogar Sympathie für die Figur.

Sehr gefallen hat mir, wie Tan Twan Eng den Garten in seiner Erzählung einsetzt: nämlich einerseits als konkreten Handlungsort, andererseits aber auch als Bild für das Erinnern und für das Vergessen, für Veränderung und Dauer. Die Gartenbeschreibungen sorgen für kontemplative Ruhepunkte in einem Roman, in dem Krieg und Gewalt eine große Rolle spielen. Denn nicht nur der Zweite Weltkrieg ist in Yun Lings Erinnerungen ständig präsent: Ihre Lehrzeit im Garten spielt sich außerdem vor dem Hintergrund der kommunistischen Guerilla-Unruhen während der 50er-Jahre ab.

Genau das hat mich einerseits fasziniert: mit diesem Roman in eine mir weitgehend fremde Welt zu reisen und vor allem einmal aus pazifischer Perspektive über den Zweiten Weltkrieg zu lesen. Andererseits knüpft sich daran mein einziger Kritikpunkt an dem Buch: Es gelingt dem Autor nicht immer, die Hintergrundinformationen überzeugend mit der Handlung zu verknüpfen. Immer wieder werden Dialoge hölzern, weil eine Figur schnell etwas zu Geschichte und Politik Malaysias referiert. Und dass die eingeschobenen Kriegserinnerungen des Wissenschaftlers Tatsuji wie ein Fremdkörper im Buch wirkten, hat mich nicht mehr gewundert, nachdem ich im Nachwort gelesen hatte, dass sie tatsächlich bereits vor dem Roman als eigenständige Erzählung existierten. Hier wäre es besser gewesen, stärker den Rotstift anzusetzen.

Dem Lesevergnügen hat das allerdings kaum Abbruch getan. Trotz seiner melancholischen Grundstimmung ist The Garden of Evening Mists ein Buch, das mir außerordentlich gut gefallen hat.

Tan Twan Eng
The Garden of Evening Mists
2011
E-Book-Ausgabe, Canongate Books
Preis: ab ca. 4,40 €

Tan Twan Eng
Der Garten der Abendnebel
erscheint am 2. Februar 2015
Übersetzung: Michaela Grabinger
Droemer/Knaur 2015
464 Seiten, Hardcover
ISBN 9783426199886
Preis: 19,99 €

Malaysisches Frühstück Kaya
Pandanblätter

Frühstücken auf Malaysisch: Kokosaufstrich Kaya

Essen spielt – im Gegensatz zur Gartenkunst – im Roman keine besonders große Rolle. An einer Stelle bin ich trotzdem hängen geblieben, weil sie mir das Wasser im Mund zusammenlaufen ließ. Yun Ling wird darin zum Frühstück eingeladen:

Our half-boiled eggs, coffee and roti bakar came a few minutes later. The slabs of crusty, toasted white bread covered in butter and coconut jam tasted as good as Frederik had promised.

Ein paar Minuten später kamen unsere sehr weich gekochten Eier mit Kaffee und roti bakar. Die dicken Scheiben knusprig getoastetes Weißbrot, dick mit Butter und Kokosmarmelade bestrichen, schmeckten genauso gut, wie Frederik es versprochen hatte. (eigene Übersetzung)

Die Beschreibung hat mich neugierig gemacht, und ich habe schnell herausgefunden, dass genau dieses Frühstück in Malaysia und Singapur ganz außerordentlich beliebt ist. Nachdem ich es ausprobiert habe, weiß ich auch, warum: Die Kaya genannte Kokos“marmelade“, eigentlich eine dicke Eiercreme, hat eine außerordentlich hohen Suchtfaktor: cremig, karamellig-süß und mit dem leicht vanilleartigen Aroma von Pandanblättern.

Klar, ohne diese Blätter funktioniert das Rezept auch. Ich würde alternativ eine Vanilleschote längs aufschlitzen, das Mark auskratzen, Mark und Schote mit der Kokosmilch aufkochen und ziehen lassen. Aber schaut doch mal in einem Asienladen im Kühlregal nach: Vielleicht gibt es dort ja Pandanblätter. Die Creme damit auszuprobieren lohnt sich auf jeden Fall. Und ich habe jetzt für künftige Portionen noch eine Menge Blätter eingefroren.

Ich habe mich, nachdem ich diverse Rezepte für Kaya verglichen hatte, im Wesentlichen an Nicole Stichs Version gehalten – mit einer Ausnahme: Damit die Kokoscreme so schön hellbraun wird wie auf den Fotos von Malaysia- und Singapur-Reisenden, habe ich einen Teil des verwendeten Zuckers vorab karamellisiert. Und so geht’s:

Für 1 Glas (ca. 400 ml Fassungsvermögen):

4 Pandanblätter (aus dem Asienladen)

50 + 150 g Zucker

250 ml Kokosmilch (möglichst mit einem Kokosanteil von 60 % oder mehr)

3 Eier (Größe L)

2 Eigelbe (Größe L)

Glas und Deckel ca. 10 Min. in einem Topf mit kochendem Wasser sterilisieren und zum Trocknen umgekehrt auf ein sauberes Küchentuch stellen.

Die Pandanblätter waschen und in ca. 5 cm lange Stücke schneiden.

In einem kleinen Topf 50 g Zucker erhitzen, bis er schmilzt. Dabei nicht rühren, sondern den Topf höchstens leicht rütteln, damit der Zucker gleichmäßig schmilzt. Sobald der Karamell mittelbraun geworden ist, sofort die Kokosmilch dazugießen und unter Rühren aufkochen, bis sich der Karamell wieder aufgelöst hat. Die Pandanblätter zugeben, den Topf vom Herd nehmen und die Mischung 30 Min. ziehen lassen.

Ein Wasserbad vorbereiten: Dazu in einem Topf ca. 5 cm hoch Wasser erhitzen und eine passende Schüssel so darübersetzen, dass sie das kochende Wasser nicht berührt. Die Kokosmilch durch ein Sieb in die Schüssel geben und mit dem übrigen Zucker, Eiern und Eigelb verrühren (aber nicht schaumig schlagen!). Die Mischung über dem Wasserbad ca. 30–40 Min. erhitzen, bis sie dick und cremig wird. Dabei sehr häufig rühren, damit das Ei nicht am Schüsselboden stockt (das gibt Klumpen).

Die Creme in das sterilisierte Glas abfüllen, verschließen, abkühlen lassen und im Kühlschrank aufbewahren. Die Kaya wird beim Kühlen noch dicker.

Zeitaufwand: 50 Min. Arbeitszeit + 30 Min. Ziehzeit

Zu einem typisch malaysischen Frühstück gehört getoastetes Weißbrot mit reichlich Butter und Kaya (die – in der Regel gesalzene – Butter wird oft sogar in Scheiben geschnitten und aufs Brot gelegt), dazu gesüßter Kaffee und ein gerade eben angekochtes, noch flüssiges Ei, das mit Sojasauce und weißem Pfeffer gewürzt wird. Ich habe stattdessen allerdings ein 5-Minuten-Ei im Glas gegessen.

Diese Rezension mit Rezept darf mitmachen beim Dauerevent „Lesehungrig“ im Blog Der magische Kessel.

  1. Pingback: Frühstück auf Malaysisch | Schmeckt nach mehr

  2. Liebe Mit-Textinen, mit großer Verspätung (aber ja totaaal passend zur deutschsprachigen Veröffentlichung des Buches ;)) finde ich endlich, endlich die Zeit, in Ruhe diese schöne Buchvorstellung zu lesen und das dazugehörige Rezept angemessen zu würdigen. Beides liest sich sehr spannend, ich weiß schon genau, wem ich dieses Buch ins Osternest legen werde. Und die Kokosmarmelade – das ist quasi ein Kokos-Karamell-Curd? Nom! Klingt göttlich.

    Vielen lieben Dank für den Beitrag!

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