Chelsea flower show 2013
Chelsea Flower Show Veranstaltungen

Chelsea Flower Show 2013 WOW!

Chelsea flower show 2013

Zugegeben, es ist mir nicht ganz leicht gefallen den Horrorgarten mitten im Mai für eine ganze Woche alleine zu lassen.

Die Tulpen verfeuern ihr letztes Pulver. Der Zierlauch ist auf dem Sprung. Das tränende Herz ergießt sich in rosafarbenen Kaskaden. Und über allem schweben Wolken himmelblauer Vergissmeinnicht.

Unvorstellbar, dass alle meine Lieben auch ohne mich weiterblühen, wachsen und welken. Unvorstellbar aber auch, dass zur gleichen Zeit in London die Chelsea Flower Show ohne mich statt findet. Und außerdem – im Vergleich mit den dort gezeigten zauberhaften Blumenkompositionen wirkt die ganze Pracht im Horrorgarten letztlich wie die Strichzeichnung einer Dreijährigen.

Der Blick aufs Thermometer tut ein Übriges. Knapp zweistellig, Regen, Wolken – wer mag da schon im Garten umherwandeln.  Oder wenn, dann wenigstens in einem vollkommenen, in dem vom Regen zerzauste Tulpen am nächsten Tag, wie von Zauberhand, wieder perfekt in Blüte stehen.

Auf nach London also. Auf zur Mutter aller Gartenschauen. Auf zur Chelsea Flower Show!

Auf den letzten Metern bis zum Eingang verspüre ich tatsächlich ein Kribbeln von Kopf bis Fuß. Nicht ganz auszuschließen, dass die unterirdischen Temperaturen einen gewissen Anteil daran haben.

Was für ein Unterschied zum letzten Jahr. Bei strahlend blauem Himmel und Temperaturen von über 20 Grad Celsius war ich umgeben von Massen farbenfroher, floraler Kleiderstoffe und riesigen Hüten. Das ein oder andere exzentrische Outfit kann ich zwar erspähen, aber bei miesem Wetter neigen offensichtlich auch englische Ladys und Lords zu wetterfester, wärmender Kleidung. Passend dazu ist die auffälligste Erscheinung dann auch ein in rot-orange gekleideter Herr mit farblich perfekt abgestimmter Pudelmütze. Mein Plan ihn zu interviewen scheitert jedoch an der Zeit, die mein Hirn braucht sich die passenden englischen Wörter zurecht zu legen. Bevor mein Mund sich öffnet ist er schon in der Menge verschwunden. Der Knipser war schneller, deshalb kann ich zumindest ein Foto vom diesjährigen Chelsea-Style zeigen.

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lasst euch von den nackten Beinen im Hintergrund nicht irritieren,
die Handschuhe waren den Temperaturen angemessener 🙂

Aber eigentlich soll es hier ja in erster Linie um Blumen gehen. In einem einzigen Beitrag lässt sich die unglaubliche Fülle allerdings kaum unterbringen. Deshalb fürs erste ein kurzer Abriss meiner Lieblings-Schaugärten.

(Einschub für CFS-Neulinge: gezeigt werden Schaugärten etablierter Gartengestalter, ein paar Gärten von Nachwuchstalenten diverse Künstlergärten, die sogenannten Artisan Gardens und ein paar kleine Generationengärten in Handtuchgröße mit moderatem Pflegeaufwand, außerdem stellen im großen Pavillon eine Vielzahl von Spezialanbietern ihre Pflanzen zur Schau.

Also, hier sind meine Top-Drei-Schaugärten

Mein absoluter Favorit ist der Homebase Garden unter dem Motto „Sowing the seeds of change“ gesponsert von der Alzheimer Gesellschaft. Das liegt zum einen an der genialen Vermischung von Gemüse und Blumen und zum anderen an dem wunderschönen handgearbeiteten Bienenkorb, der dort einen zentralen Platz einnimmt. Vor allem die Kombination von Rosmarin und Katzenminze hat es mir angetan. Eine niedrige duftende Hecke in grün und lila, das ist genau das, was dem kleinen Horrorgarten noch fehlt.

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Direkt danach auf Platz zwei das absolute Gegenteil, der Telegraph Garden von Christopher Bradley-Hole. Ein formales Meisterwerk von eigenartiger Anziehungskraft. Eigentlich gar nicht mein Stil. Sauber geschnittene Quader, verschiedene Pflanzen, verschiedene Grüntöne, verschiedene Höhen. Dazwischen eine Wasserrinne, einige Quadrate mit wildem Bewuchs und ein paar wenigen Farbtupfern. Trotzdem war ich fasziniert von der fast meditativen Stille die von dem Werk ausging. Kaum zu transportieren in Bildern. Wahrscheinlich ein Fall von „muss man selbst gesehen haben“.

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Den dritten Platz vergebe ich zu gleichen Teilen an den Brewin Dolphin Garden und den RBC Blue Water Roof Garden. Bei beiden Gärten ist es jeweils nur ein Detail das mich begeistert. Beim Brewin Delphin Garden sind es die flachen in hohem Gras versinkenden Buchsbaumhügel, deren Pflegeaufwand ich mir nicht mal ansatzweise vorstellen will. Beim RBC Blue Water Roof Garden habe ich mich in die wilde Kombination aus der bunten Königskerze „Verbascum phoeniceum violetta“ auf der einen Seite und himmelblauem Himalayamohn mit Farnen auf der anderen verliebt. Die Königskerze gehört auf jeden Fall auf meine persönliche must-have Liste. Sie blüht von Mai bis August, wird von Bienen heiß begehrt und da wo es ihr gefällt sät sie sich selbst aus. Der blaue Mohn mag es schattig und ist damit ein heißer Kandidat für die neu angelegte Farnecke im Horrorgarten.

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So, das sollte fürs erste reichen. Weitere Showhöhepunkte in lockerer Folge, in den nächsten Wochen.

  1. Barbara Ehlert

    danke für den tollen Bericht Anja – bin gespannt was noch folgt! Liebe Grüße Barbara

  2. Ich finde die Idee mit den Weidenstöcken für die Erbsen toll. Einfach mit einem Bastband umbinden und schon hat es etwas vom Bauerngarten.
    Aber ansonsten – sehr akkurat, die Engländer, so wie man es von ihnen erwartet oder gab es auch andere Gärten??? Bin auch gespannt auf die nächsten Fotos aus England. Beneide dich um deine tolle Tour! Was würde ich dafür geben…:)

  3. Der erste Garten gefaellt mir am Besten von den vorgestellten, das mit dem Rosmarin sieht echt huebsch aus. Aber den himmelblauen Himalaya-Mohn muss ich haben!

  4. Hallo, einfach toll. Ich schaffe es erst im September nach London, aber Kew Gardens steht schon fest im Reiseplan :).

    Die letzte Woche und vorallem das Wochenende war keine Freude für meinen Balkon, blühen tut noch gar nichts, ich musste erst einmal alles vor dem Ertrinken retten.

    Gruß

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