An unserem Garten bleiben oft Spaziergänger stehen, bewundern die wilde Pracht und sagen dann seufzend: „Ist aber ganz schön viel Arbeit so ein Garten.“ Ich lächle dann und denke an den Spaß, die mir diese Arbeit“, die ich lieber Gärtnern nenne, macht und an die vielen Helfer die mich dabei unterstützen. Ich gärtnere nämlich nicht alleine. Bei uns gärtnern unzählige Nützlinge mit. Wollt ihr unsere nützlichen Gartenhelfer und ihre Aufgabengebiete gerne näher kennen lernen?

Lass dir von Nützlingen beim Gärtnern helfen

Welche Nützlinge gibt es?

Im Prinzip wimmelt es in einem gesunden Garten nur so von Nützlingen. Sie fliegen, summen und brummen durch die Luft, krabbeln auf der Erde und graben sich durch den Boden. Sie halten uns Schädlinge vom Leib, lockern die Erde, räumen Abfälle weg und sorgen für eine reiche Obst- und Gemüseernte.

Sie alle haben eine Aufgabe, die sie gewissenhaft erfüllen. Ich habe zu jedem von ihnen einen kleinen Steckbrief geschrieben, der euch verrät wobei sie euch helfen, woran ihr erkennt, dass sie da sind und wie ihr sie bei ihrer Arbeit unterstützen könnt. Denn ihr wisst ja, wer gut arbeitet, muss auch gut essen, braucht ein – sagen wir mal angemessenes Freizeitangebot und auch ein bequemes Bettchen.

Steckbrief Marienkäfer

Jeder kennt sie, jeder mag sie, die lustigen gepunkteten Käfer. Es gibt sie in gelb, schwarz oder rot, mit wenigen oder mit vielen Punkten. Nützlich sind sie alle, ganz unabhängig von Farbe oder Punktezahl.

Nützlinge: Marienkäfer auf Artischocke
22 Punkt frisst Mehltau

Helfen euch dabei:

Blatt- und Schildläuse los zu werden. Bis zu 3.000 schafft eine einzige Marienkäfer-Larve bevor sie sich verpuppt. Der 22 Punkt Marienkäfer ist etwas aus der Art geschlagen. Der Nützling ernährt sich von Mehltau. Also Punkte zählen und an eure Gurken setzen, falls die Mehltau haben.

Wohnen in eurem Garten wenn:

ihr an den Blattunterseiten eurer Pflanzen kleine gelbe Kügelchen entdeckt. Mama Marienkäfer legt ihre gelben Eier gleich im Dutzend mitten in die Nähe einer Blattlaus-Kolonie. Alles was ihr mitbringen müsst, ist Geduld. Die Läuse sind immer zuerst da, aber auf die Marienkäfer könnt ihr euch verlassen.

Blatt mit gelben Marienkäfer-Eiern auf der Unterseite
Aus diesen kleinen gelben Zapfen schlüpfen bald zahlreiche Marienkäfer

Ihr könnt sie bei ihrer Arbeit unterstützen:

indem ihr natürliche Rückzugsräume und Überwinterungsmöglichkeiten in Form von kuscheligen Laubhaufen schafft. Ihr könnt auch Kiefernzapfen aufhängen, unter deren Schuppen können sie trocken und geschützt übernachten. Wenn ihr dann noch ein paar Kräuter (z.B. Fenchel, Kümmel, Dill, Schnittlauch, Kamille) zur Blüte kommen lasst steht einer erfolgreichen Zusammenarbeit nichts mehr im Weg.

Steckbrief Wildbienen

Die Familie der Wildbienen ist riesig, mehr als 550 verschiedene Arten gibt es in Deutschland, auch die pummeligen Hummeln gehören dazu. Die gute Nachricht: die wenigsten Wildbienen können stechen.

Auf dem ersten Bild seht ihr übrigens den krassen Größenunterschied zwischen einer Honigbiene (rechts) und der winzigen Furchenbiene (links). Als Nützlinge gelten sie beide 🙂

Furchenbiene und Honigbiene
Zaunrüben-Biene
Ackerhummel auf Sonnenhut

Helfen euch dabei:

dass die Vielfalt in eurem Garten erhalten bleibt und ihr ordentlich was ernten könnt. Vor allem Wildblumen und Wildkräuter sind auf die Bestäubung durch oft auf sie spezialisierte Wildbienen angewiesen. Und auch bei der Bestäubung von Obst- und Gemüsepflanzen leisten sie gute Dienste. Die unerschrockenen Hummeln fliegen zum Beispiel bei Temperaturen, bei denen die fröstelnden Honigbienen sich noch lange nicht aus ihrer Beute trauen.

(Wenn ihr mehr über Wildbienen erfahren wollt empfehle ich euch unser Buch: Liebe Bienen wir helfen euch. Ist zwar für Kinder geschrieben, aber irgendwie für jedes Alter interessant.)

Wohnen in eurem Garten wenn:

tja, gar nicht mal so leicht zu sagen. Um die Nistplätze von Wildbienen oder Hummeln zu entdecken muss man schon sehr aufmerksam sein. Gut zwei Drittel der Mitglieder der großen Wildbienenfamilie nisten im Boden. Wenn ihr also mal eine Hummel aus einem Erdloch kriechen seht, habt ihr wahrscheinlich einen Hummelbau entdeckt.

Ihr könnt sie bei ihrer Arbeit unterstützen:

indem ihr eine große Vielfalt an Blumen und Kräutern pflanzt, nicht jedes Unkraut sofort rausreißt, kleine wilde Ecken mit blühendem Ehrenpreis, Löwenzahn und Taubnesseln zulasst. Für die Überwinterung sind einige Arten auf hohle Pflanzenstengel angewiesen, deshalb bitte Stauden erst im Frühjahr zurückschneiden.

Steckbrief Vögel

Amseln, Meisen, Rotkehlchen und Co. sind alleine schon wegen ihrer musikalischen Beiträge gern gesehene Gäste im Garten.

Nützlinge: Meise füttert ihre Jungen
Meise in Nistkasten

Helfen euch dabei:

eine Reihe von Schädlingen zu dezimieren. Raupen, Läuse, kleine Schnecken, Spinnen und Käfer stehen auf ihrem Speiseplan. Bis zu 100.000 Insekten verfüttern zum Beispiel Meisen an ihren Nachwuchs. Bei uns reduzieren sie die Raupen der Apfelgespinstmotte so sehr, dass der Baum mit dem Befall ganz gut klar kommt.

Wohnen in eurem Garten wenn:

ihr Nistkästen aufhängt oder durch heimische Hecken und Bäume Möglichkeiten zum Nestbau bietet. Das aufgeregte Zwitschern der Jungvögel ist dann nicht zu überhören. Bei uns nisten seit Jahren Blaumeisen in einem mehr als baufälligen Nistkasten. Die neu aufgehängten Luxuswohnungen nehmen sie nicht an. Sind also nicht anspruchsvoll, die Süßen.

Ihr könnt sie bei ihrer Arbeit unterstützen:

indem ihr auch im Winter für ausreichend Futter sorgt. Das muss kein extra Vogelfutter sein. Es reicht, wenn ihr euren Garten vielfältig mit Stauden, heimischen Sträuchern und Bäumen gestaltet und vertrocknete Samenstände bis zum Frühjahr stehen lasst. Die Samen von Sonnenblumen, Amaranth und Sonnenhut sind sehr begehrt. Ihr könnt sie auch abschneiden, trocknen und im Winter draußen aufhängen.

Steckbrief Florfliegen

Diese Nützlinge sind gar nicht so leicht zu entdecken mit ihren zarten durchsichtigen Elfenflügeln. Das liegt vor allem daran, dass die erwachsenen Tiere dämmerungs- und nachtaktiv sind.

Nützlinge: zarte Florfliege

Helfen euch dabei:

Blattläuse und Milben los zu werden. Spitzname „Blattlauslöwe“, muss ich mehr sagen? Bis zu hundert davon verspeist eine Florfliegenlarve jeden Tag. Die nicht gerade attraktive Larve läuft kopfschüttelnd durch die Gegend und sobald ihr Kiefer an eine Laus stößt, beißt sie zu und aus die Laus.

Wohnen in eurem Garten wenn:

ihr an Blättern lustige kleine weiße Kügelchen an hauchdünnen Stielen entdeckt, die wie Mini-Luftballons im Wind wehen. Das sind die Eier der Florfliege. 100 bis 900 Stück legt ein Florfliegenweibchen davon in der Nähe von Blattlaus-Kolonien.

Florfliege auf Rosenblüte

Ihr könnt sie bei ihrer Arbeit unterstützen:

indem ihr ihnen Rückzugsräume und Überwinterungsmöglichkeiten in Form von trockenen Holzspänen oder Kiefernzapfen bietet. Am besten füllt ihr sie in ein rotes Kästchen und hängt das unterm Dachvorsprung auf. Mit Katzenminze könnt ihr sie in euren Garten locken, sie lieben den Geruch der Blätter. Lohnt sich eh, weil Katzenminze ist eine wunderschöne Staude.

Steckbrief Würmer

Scheuen die große Bühne und arbeiten lieber im Verborgenen. Dort aber unermüdlich. Bei mir wohnen ein paar hundert in einem Wurmcafe, aber auch in freier Wildbahn aka Garten kommen sie reichlich vor.

Nützlinge: Kompostwürmer in Pferdeäpfeln

Helfen euch dabei:

euren Boden (für ein gesundes Pflanzenwachstum) gut zu durchlüften und produzieren dabei gleichzeitig allerbesten Dünger. Bis zu zehn Blätter zieht ein Wurm Nacht für Nacht unter die Erde. Dort zersetzen sie sich und erhöhen so oder als Wurmkacka den Humusgehalt.

Wohnen in eurem Garten wenn:

ihr auf dem Boden die typischen kleinen Wurmhäufchen findet. Wenn ihr es ganz genau wissen wollt, stecht einmal mit dem Spaten in die Erde. Wenn der Boden feucht ist solltet ihr den einen oder anderen Wurm in dem Aushub finden.

Ihr könnt sie bei ihrer Arbeit unterstützen:

indem ihr alte Blätter und Pflanzenreste liegen lasst und ab und zu mit einer dünnen Mulchschicht aus Rasenschnitt für ein Festmahl sorgt.

Steckbrief Tigerschnegel

Die elegante Variante der Nacktschnecke, trägt einen fancy Tigerdress anstelle von ordinärem Orange oder langweiligem Beige und unterscheidet sich auch sonst deutlich von der ungeliebten Salat und zarte Jungpflanzen fressenden Verwandtschaft.

Marina Jacob, CC BY-SA 3.0 , via Wikimedia Commons

Helfen euch dabei:

die ungeliebten Nacktschnecken auf einem erträglichen Level zu halten. Deren Jungtiere und Eigelege sind nämlich die Lieblingsspeise des bis zu 20 Zentimeter langen Tigerschnegels. Salat lässt er dagegen links liegen und verdrückt höchstens mal ein verwelktes Blatt zum Nachtisch.

Wohnen in eurem Garten wenn:

na um die Tigerschnegel zu entdecken müsst ihr euch an einem verregneten Tag nach draußen trauen oder halt unter Steinen nach ihnen suchen. Dort verstecken sich die nachtaktiven Tiere gerne.

Ihr könnt sie bei ihrer Arbeit unterstützen:

indem ihr ihnen kühle feuchte Rückzugsräume bietet. Ein Steinhaufen ist für den Tigerschnegel das Äquivalent zur Luxusmaisonette. Wenn er Glück hat sucht auch die gewöhnliche Nacktschnecke darunter Schutz und er muss sein Haus fürs Abendessen nicht mal verlassen. Wenn ihr Schnegel in eurem Garten einladen wollt, müsst ihr allerdings die Finger von Schneckenkorn, auch von der biologischen Variante, lassen. Die darin enthaltene Eisenverbindung macht nämlich keinen Unterschied zwischen Schnegel und Schnecke.

Steckbrief Igel

Einer meiner Lieblings-Nützlinge. Trotz seiner 6.000 bis 8.000 stacheligen Stacheln extrem süß und liebenswert. Mit mir gemeinsam haben sie – nein, nicht die Stacheln – eine Laktose-Intoleranz. Also bitte keine Milch für Igel, sie können daran tatsächlich sterben.

Braunbrustigel im Garten

Helfen euch dabei:

eine Vielzahl von Schädlingen zu reduzieren. Sie suchen im Boden nach Larven, Ringelwürmern und anderen wirbellosen Insekten. Auch kleinere Schnecken und Aas stehen auf ihrem Speiseplan. Die perfekten Saubermacher also.

Wohnen in eurem Garten wenn:

ihr nachts manchmal sehr seltsame Geräusche hört, für ihre Körpergröße sind die nachtaktiven Tiere nämlich ganz schön laut. Sie grunzen, schmatzen, schnaufen und fauchen vor sich hin. Wenn ihr wissen wollt, was die einzelnen Geräusche bedeuten, schaut mal auf dieser Seite vorbei: Garten-Tiere.

Ihr könnt sie bei ihrer Arbeit unterstützen:

indem ihr einen großen Laubhaufen in einer Gartenecke liegen lasst. Sie richten sich darin gerne eine Wohnung für den Winter ein. Wenn euch das zu unordentlich ist oder der Platz fehlt, nehmen sie auch gerne ein selbst gebautes oder gekauftes Igelhäusschen an.

Wie kann ich Nützlinge im Garten fördern?

Im Prinzip habe ich die Maßnahmen schon bei den einzelnen Nützlingen genannt. Wenn ihr Nützlinge im Garten fördern wollt, müsst ihr den passenden Lebensraum für sie schaffen. Totholzhaufen, Steinhaufen und Laubhaufen als Wohnräume. Nistkästen aufhängen. Für ein vielfältiges Pflanzenangebot sorgen. Seid nicht zu ordentlich – gibt es hier jemanden dem das schwer fällt? 😉 Lasst möglichst keine Bodenfläche unbedeckt. Nach der Ernte ist vor der Gründüngung oder auch mulchen, mulchen, mulchen.

Ganz wichtig und an erster Stelle steht aber der Verzicht auf Herbizide und Pestizide. Wenn euer Garten mal aus dem Gleichgewicht ist und ihr zu härteren Mittel greifen müsst, entscheidet euch bitte immer für Mittel, die im ökologischen Anbau zugelassen sind. Die sind nicht unbedingt unbedenklich, aber doch zumindest das kleinere und manchmal notwendige Übel. Mit Brühen, Jauchen und Tees könnt ihr ebenfalls wahnsinnig viel erreichen. Klickt mal auf den Link, dort findet ihr viele Rezepte die euch helfen die häufigsten Probleme mit Schädlingen zu lösen.

PS: Danke an alle die bis hier gelesen haben. Ist ein echt langer Text geworden. Ich freue mich, wenn ihr mir in den Kommentaren mitteilt wie er euch gefallen hat 🙂

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