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Gemüse Tomaten

Tomaten – meine Sorten, meine Anbautipps

In diesem Jahr habe ich vollständig auf die eigene Anzucht von Tomaten verzichtet. Ich habe es einfach nicht rechtzeitig geschafft. Und bin darüber gar nicht mal so unglücklich.

Die Vorteile:

  • ich kann ganz neue Tomaten-Sorten ausprobieren ohne neues Saatgut zu kaufen
  • da ich immer nur eine Pflanze pro Tomatensorte pflanze (der Platz für Tomaten in meinem Garten ist begrenzt) ist das nicht mal teurer als der Saatgutkauf
  • ich bekomme kräftige, unter optimalen Bedingungen vorgezogene Pflanzen, auf meinem dunklen Fensterbrett ist das immer etwas schwierig
  • ich habe wirklich nette Gespräche mit Tomatenexperten geführt, die sich gut mit den Sorten, die sie anbieten, auskennen

Vorgezogene Pflanzen kaufen ohne auf Vielfalt und samenechte Sorten zu verzichten – das ist bei Tomaten inzwischen kein Problem mehr. Selbst die großen Gartencenter bieten inzwischen Heirloom Tomaten und regional bewährte Sorten an. Und auf den Frühlings-Gartenmärkten stehen kleine Anbieter mit ausgefallenen Sorten, die keine Wünsche offen lassen.

Auf der Top-Five-Tomatenliste vom letzten Jahr standen zum Schluss elf Sorten. Diesmal sind es nur zehn geworden. Zusammengesucht habe mir meine Tomatenauswahl diesmal bei drei Anbietern. Auf dem Gartenmarkt am Tanzbrunnen habe ich bei der Bio-Gärtnerei Blütenmeer ein Ochsenherz, ein Andenhorn, den weißen Pfirsich, den kleinen Whipper Snapper und die geheimnisvolle Purple Rose erstanden. In der Klostergärtnerei der Alexianer sind dann noch Black Russia, die Schlesische Himbeere, Bajawa und Noire de crimèe dazu gekommen. Die letzte Tomate in der Runde, die German Gold, habe ich bei Arche Noah im Online-Shop (zusammen mit jeder Menge anderer spannender Gemüsesorten – ich freu mich schon so darauf :-)) bestellt.

Tomatenpflanzen sortenecht
Tomatenpflanzen sortenecht Bajawa
Tomatenpflanzen sortenecht Black Russia

Meine Tomatensorten im Kurz-Porträt

Schwarzbraune sehr würzige Rundtomate. Innen und außen sehr dunkel. Mittelspät, mittelhoch wachsend.

Pinkrote Fleischtomate mit wunderbar ausgeglichenem Zucker-Säure-Verhältnis. Anfällig für Fremdbestäubung. Historische deutsche Sorte. Möglicherweise aus Schlesien. Rosarotes Fruchtfleisch. Fruchtgröße 100-350g. Reift mittelfrüh. Hoher Ertrag. Pflanzen werden bis 2 Meter hoch.

Besonders kräftig wachsende Stabtomate mit dickem Stamm und großem, kräftigem Laub. Wuchshöhe 1,50 bis 2,50 Meter. Erntereif ab Anfang August. Mittelgroße, hellgelbe bis weiße Früchte, wie ein Pfirsich samtig behaart. Die weichen Früchte werden oft bestaunt. Der Ertrag ist beachtlich! Sehr milde Sorte mit geringem Säuregehalt, trotzdem fruchtig und aromatisch im Geschmack.

Braunviolette, würzige Fleischtomate mit schmelzendem Fruchtfleisch. Historische russische Sorte von der Krim. Reift mittelfrüh. Hoher Ertrag. Fruchtgröße 100-250g, Pflanzen werden 2 Meter hoch.

Platzfeste Rundtomate, pilztolerant und sehr würzig. Wildtomate aus Indonesien, wächst im Gebirge der Insel Flores. Gute Freilandsorte, wenig entgegen, Massenträger.

Das relativ helle und herabhängende Laub dieser Sorte kann den Eindruck vermitteln, dass die Pflanze unter Wassermangel leidet. Deshalb prüfen Sie den Wasserbedarf vor dem Gießen. Sie ist auch unter dem Namen
Neapolitanisches Venusbrüstchen bekannt. Rote, langgezogene Früchte, mit wenig Kernen und viel süßem Fruchtfleisch. Ein Fruchtgewicht von mehr als 1 Kg kommt vor. Wird 1,20 bis 1,85 Meter hoch. Reift von der zweiten Juliälfte  bis Ende Oktober. Besonders für Saucen und Salate geeignet. Aufgrund ihres relativ trockenen Fruchtfleisches verwässert sie weder Salate noch Saucen.

Diese Sorte stammt aus Kasachstan. Sie trägt rosarote Früchte und wird ca. 1,50 bis 2,00 Meter hoch. die Früchte reifen von Ende Juli bis Ende Oktober. Typische Herzform. Ähnlich wie bei der Sorte „Andenhorn“ hängen bei dieser Tomaten-Sorte die Blätter. Das gehört zur Sorte und hat nichts mit Krankheit oder Wassermangel zu tun.

Buschtomate mit zierlichem Wuchs und feinen Blättern. Wird nur 10 bis 40 Zentimeter hoch. Kleine, rote, sehr süße und aromatische Früchte, die ständig nachwachsen. Sehr frühe Sorte. Wegen des offenen Wuchses sehr gut für die Mischkultur in kleineren Gewächshäusern und Balkonkästen geeignet.

Riesige, gelbe, flachrunde Fleischtomate. Die Früchte sind sehr fleischig und saftig, goldgelb, in der Mitte rot geflammt. Ausgezeichneter Geschmack. Gewächshausanbau empfohlen. Stabtomate, frühreifend. Aus dem Arche Noah Sortenarchiv.

Vom Verkäufer sehr angepriesen, aber leider ohne Sortenbeschreibung. Im Netz finde ich sie auch nicht. Nur die Sorten Purple Rose Smudge oder Indigo Rose sind dort vertreten. Bleibt also spannend. Wenn der Verkäufer noch eine Sortenbeschreibung nachliefert ergänze ich nachträglich.

Anbautipps für Tomaten

Ein Teil meiner Tomaten wächst ganz klassisch im vorne offenen Tomatenhaus. Das müsste zwar schon längst mal erneuert werden, aber auch diese Saison habe ich es nicht rechtzeitig geschafft…

In dem 1,50 x 1,00 Meter großen Haus ist Platz für fünf Tomatenpflanzen. An der unteren Wand sitzen drei, davor an den Seitenwänden noch einmal zwei Tomatenpflanzen. So kann ich alle Pflanzen gut zur Pflege und Ernte erreichen.

Tomaten sind hungrig und wollen gut mit Nährstoffen versorgt werden.

Ich arbeite in das Pflanzloch reichlich organischen Bio-Langzeitdünger (Osorno Animali) ein. In diesem Jahr greife ich außerdem tief in Omas Trickkiste, hebe das Pflanzloch ein wenig tiefer aus als sonst, und versenke Fischabfälle vom Fischhändler darin. Die werden ca. 10 Zentimeter hoch mit Erde bedeckt bevor die Tomate eingepflanzt wird. Beim Zersetzen geben sie reichlich Kalium und Phosphor frei – gut für Blattentwicklung und Fruchtansatz.

Fischabfall als Dünger für Tomaten
Fischabfall als Dünger für Tomatenpflanzen
Tapetes halten Bodenälchen fern

Zusätzlich teste ich an der Hälfte meiner Tomaten den WUXAL Calciumdünger, der für den biologischen Anbau zugelassen ist. Laut Hersteller soll er die Ausfärbung der Früchte fördern, die Zeltfestigkeit erhöhen und vorbeugend gegen Blütenendfäule wirken. Davon ist dieser so überzeugt, dass er mir eine Flasche zugeschickt und um einen Test gebeten hat. Kann er haben. Ergebnisse folgen im Laufe des Tomatenjahres.

Während der Saison bekommen meine Tomaten außerdem theoretisch alle 14 Tage einen Guss 1:10 verdünnte Brennnesseljauche (in der Realität vergesse ich es gerne). Wenn vorhanden gibt es eine Mulchdecke aus Brennnesseln, Beinwell und Tomatenblättern. Ach ja und die Erde überbrause ich vor dem Pflanzen mit Schachtelhalmbrühe (kaufe ich als Konzentrat). Auch die Blätter kriegen an warmen trockenen Tagen (damit sie schnell wieder trocknen) ab und an eine Dusche damit. Das festigt die Blattstruktur und wirkt vorbeugend gegen die berüchtigten Pilzkrankheiten, zu denen auch die fiese Braunfäule gehört.

unser alten Tomatenhaus

Die Aubergine in der Mitte ist nur zu Besuch. Sie sitzt in einem Topf und kommt später nach draußen. Rund um die Tomaten pflanze ich gerne Basilikum. Die beiden mögen sich und schmecken gut zusammen. Ebenfalls empfehlenswert: eine Unterpflanzung mit Petersilie oder Neuseeländer Spinat. Eine geschlossene Pflanzendecke schützt die Tomaten vor Pilzsporen im Boden. Im Hochbeet versuche ich es in diesem Jahr mit niedrigen Tagetes – von Schnecken geliebt, von Bodenälchen (Nematoden) gehasst. Also gut für einen gesunden Boden und auch noch hübsch anzusehen.

Tomaten wollen einen trockenen Kopf

Meine restlichen Tomaten dürfen in diesem Jahr in einem niedrigen Hochbeet Platz nehmen. Leider habe ich an allen sonnigen Plätzen im letzten Jahr Kartoffeln angebaut. Tomaten und Kartoffeln in Folge ist eine ganz schlechte Kombination, weil sie unter den gleichen Krankheiten leiden und auf die gleichen Pilzsporen reagieren. Auch im Hochbeet sind Kartoffeln gewachsen. Hier habe ich aber die Möglichkeit durch die Zugabe von einer 30 Zentimeter dicken neuen Erdschicht bzw. fertigem Kompost ein neutrales Bodenklima zu schaffen. Ein kräftiger Schachtelhalmguss vor der Pflanzung schadet ebenfalls nicht.

Die gefürchtete Braunfäule wird über Pilzsporen in der Erde übertragen. Davon gibt es jede Menge, die kriegt man nicht weg. Angreifen können sie aber nur geschwächte Blätter. Bei Tomaten ist das der Fall, wenn die Blätter immer wieder länger nass bleiben.  Die Sporen spritzen mit dem Regenwasser von der Erde auf die Blätter und mache es sich dort gemütlich.

Damit das nicht passiert baue ich über dem Hochbeet ein kleines Foliengewächshaus auf. Es ist ca. zehn Zentimeter größer als das Beet und ich werde die Folie, wenn die Tomaten wachsen, rundum nach oben rollen. So bleiben die Blätter trocken und es kommt trotzdem von allen Seiten Luft an die Pflanzen. Sie können kräftige Stengel ausbilden und schwitzen nicht wenn es so richtig heiß wird. Versuche mit den üblichen Tomaten-Folienschläuchen lohnen nach meiner Erfahrung nicht. Darunter herrscht ein sehr feuchtes Klima – also genau das Gegenteil von dem was Tomaten eigentlich mögen.

Ein Guss mit Schachtelhalmbrühe gegen Pilzsporen
Tapetes halten Bodenälchen fern

Tomaten sind durstig

Tomaten brauchen richtig viel Wasser damit sie viele große und leckere Früchte bilden können. Mein Tomatenhaus ist quasi selbstbewässernd. Das Regenwasser vom Dach wird in einer großen Tonne direkt daneben gesammelt. An die Tonne habe ich ein Bewässerungssystem aus Tonkegeln angeschlossen. Jede Pflanze bekommt zwei Tonkegel, die sie tröpfchenweise mit Wasser versorgen. Wenn es lange trocken ist muss ich die Tonne mit Leitungswasser auffüllen. Das kommt höchstens ein-, zweimal im Sommer vor.

Die Tomaten im Hochbeet muss ich leider mit der Gießkanne gießen. Dazu grabe ich neben den Pflanzen eine große Plastikflasche (2-5 Liter) mit aufgeschnittenem Boden und dem Flaschenhals nach unten bis zur Hälfte ein. Die fülle ich einmal pro Woche (wenn es sehr heiß ist auch öfter) mit Wasser, das dann an die Tomatenwurzeln sickert. Den Deckel lasse ich auf der Flasche und mache kleine Löcher hinein, damit das Wasser möglichst langsam abgegeben und von den Tomatenwurzeln aufgenommen werden kann.

Tomaten bwässern mit großen PET-Flaschen

Tomaten vertragen keinen Frost

Eine Binsenweisheit – ich weiß. Ich erwähne es nur weil ich meine Tomaten in diesem Jahr vor den Eisheiligen auspflanzen werde. Ich bin ab Mitte Mai zwei Wochen unterwegs. In den kleinen Töpfchen müssen sie jeden Tag gegossen werden und die Nährstoffe sind auch längst aufgebraucht.

Bisschen schwer jemanden zu finden der sich soviel Zeit nimmt. Deshalb hoffe ich auf das milde Wetter im Rheinland und die zuverlässige Wetter-App. Bei Frostvorhersage kann meine Freundin, die die Gartenpflege während meiner Abwesenheit übernimmt, ein schützendes Mäntelchen aus Flies und Luftpolsterfolie um die Sensibelchen wickeln. Das sollte reichen und einer wunderbaren Tomatensaison steht dann nichts mehr im Weg.

  1. Ich bin sehr gespannt wie sich die Fischköpfe bei den Tomaten machen. Den Tipp habe ich auf englischsprachigen Seiten schon öfter gelesen und wollte ihn eigentlich auch ausprobieren. Bei der Saatgutbörse im Frühjahr hat mich eine Profi-Tomatenzüchterin allerdings dermaßen entgeistert angeschaut als ich nach ihren Erfahrungen mit Fischabfällen gefragt habe, dass ich jetzt doch wieder Abstand genommen hatte…
    Die Selbstbewässerungsanlage klingt auch ziemlich clever.
    Viele Grüße, Angela

    • Die Gaertnerin

      Liebe Angelika,
      was glaubst du wie mich der Fischhändler angeguckt hat, als ich ihm sagte, was ich mit dem Fischabfall vor habe…
      Tatsächlich ist in dem Fisch nichts anderes enthalten, als das was Fertigdüngern auch zugesetzt wird. Früher gab nichts anderes. auf jeden Fall bin ich auch auf den Verlauf des Experiments gespannt.
      Liebe Grüße
      Anja

  2. Liebe Anja
    Die Hochbeetbewässerung hat mich überzeugt – meine Balkonpflanzen wachsen mit zwischen komplett nass und fast ausgetrocknet (der Jojo-Effekt). Wie gross sind die Löcher je und wie viele pro Flasche werden etwa für Tomaten benötigt? Ich gehe davon aus, dass es sich genauso für Balkontöpfe eignet, oder? Wie ist es mit Schädlingen aufgrund des stehenden Wassers?
    Liebe Grüsse
    Tessi

    • Die Gaertnerin

      Liebe Tessi,
      Schädlinge sind kein Problem. Das Wasser steht ja nicht lange. Es sickert langsam in die Erde ein. Die Größe der Flasche kannst du je nach Platz wählen. Wenn sie kleiner ist musst du halt öfter nachfüllen. Im Beet benutze ich 5 Liter Flaschen. Aber es geht auch mit 1 1/2 Litern. Ich grabe die Flaschen zu einem Drittel ein, damit sie nicht umfallen.
      Liebe Grüße
      Anja

  3. Heike Horek

    Hallo ich möchte erstmal Danke sagen für die Auskunft wo ich mein Salatsamen her beziehen kann, habe mir über Dreschflegel tolle Sachen bestellt, Mizuba und Forellensalat z.b. und ich bin nun stolze Besitzerin eines Hochbeetes und mein Salat wächst schon, ich bin so was von begeistert und ganz gespannt auf meinen ersten selbst geplanzte Salat . Das macht Spass , Danke !!!!!!

    • Die Gaertnerin

      Ja die haben schon tolle Sorten. Viel Erfolg mit deinem ersten Salat. Lass ihn dir schmecken 🙂

  4. Mahee Ferlini

    Wow, so viele Sorten von Tomaten! Ich habe nur 3 dieses Jahr, aber ich möchte Purple Rose einmal probieren.

  5. Pingback: gemüse düngen mit pferdeäpfeln

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