Kerzen aus Bienenwachs gießen
Bienen und Honig Kerzen aus Bienenwachs gießen

Kerzen aus Bienenwachs gießen

Während meine Bienen eng zusammen gekuschelt in ihrer Beute darauf warten, dass der Frühling kommt, stehe ich im kalten Garten und will Kerzen aus Bienenwachs gießen. Mitunter stellt man sich etwas viel einfacher vor als es am Ende ist. Zwischen dem ungereinigten Bienenwachs und der herrlich duftenden Bienenwachskerze liegen jedenfalls mehr Arbeitsstunden, als ich mir das so gedacht habe. Andererseits haben meine Bienen ja auch ganz schön lange gearbeitet um das Wachs zu erzeugen. Ist also nur gerecht und das Ergebnis lohnt den Einsatz auf jeden Fall.

Bienenwachs einschmelzen und reinigen

Aber der Reihe nach. Bei der Arbeit an den Bienen fällt im Jahresverlauf immer wieder etwas Bienenwachs an. Alte Waben werden ausgetauscht, Wildbau wird entfernt und bei der Honigernte fällt Entdeckelungswachs an. Bevor aus dem gesammelten Bienenwachs eine hübsche, hellgelbe, nach Honig duftende Kerze wird muss es zunächst gereinigt werden. Im Wachs befinden sich Honigreste, Pollen, Bruthäutchen, Ameisen und andere Verunreinigungen. Das muss alles raus, damit die Bienenwachskerze später schön gleichmäßig abbrennt. Bleiben Verunreinigungen im Wachs knistert und blitzt es beim Abbrennen, wie bei einer Wunderkerze. Kann auch ganz schön sein, ist aber hier nicht gewünscht.

Kerzen aus Bienenwachs gießen

Bienenwachs einschmelzen im Entsafter

Zum Einschmelzen meiner Bienenwachsreste verwende ich einen einfachen Entsafter. Ich habe ihn für rund 25 Euro gekauft. Für die Menge an Wachs, die bei mir anfällt reicht er völlig aus. Ein professioneller Dampfwachsschmelzer, der nach dem gleichen Prinzip funktioniert, würde mich rund 300 Euro kosten. Da musste ich nicht lange nachdenken. Soviel Kerzen aus Bienenwachs kann ich gar nicht gießen, damit sich das lohnt.

Der Entsafter besteht aus drei Teilen.  In die untere Etage kommt das Wasser. Ich lese immer wieder, dass man bei der Bienenwachsherstellung nur Regenwasser verwenden soll, weil das Wachs sonst grau wird. Im Dampfentsafter ist das kein Problem. Egal ob ich Leitungs- oder Regenwasser verwende, das Wachs bleibt gelb.  In die obere Etage kommen die Wachsreste. In der mittleren Etage sammelt sich dann das geschmolzene Wachs. Von dort fließt es durch einen Schlauch in einen Auffangbehälter.

Kerzen aus Bienenwachs gießen
Kerzen aus Bienenwachs gießen
Kerzen aus Bienenwachs gießen

Bienenwachs filtern

Grobe Verunreinigungen bleiben im Sieb in der oberen Etage liegen. Feinere Verunreinigungen werden durch eine alte Damenstrumpfhose oder einen Wäschebeutel, den ich über den Auffangbehälter spanne, heraus gefiltert. In den Auffangbehälter schütte ich in wenig warmes Wasser, damit ich das erkaltete Bienenwachs leichter herauslösen kann.

Bienenwachs reinigen

Ganz sauber ist das Bienenwachs jetzt leider immer noch nicht. Aber weil die Schmutzpartikel schwerer sind als das Wachs, setzen sie sich an der Unterseite des Wachsblocks ab. Dort kratze ich sie im nächsten Schritt mit einem Messer ab. Je nachdem wie stark das Bienenwachs verunreinigt war, muss ich die Blöcke ein paar mal einschmelzen und filtern, bevor ich daraus Kerzen gießen kann. Beim letzten Schmelzvorgang mische ich etwas Zitronensäure unter das Wasser. Die Säure bindet auch feine Schwebstoffe und das Wachs wird schön hellgelb.

Kerzen aus Bienenwachs gießen

Kerzen aus Bienenwachs: gießen oder ziehen

Früher waren Kerzen aus Bienenwachs wertvoller als Honig. Nach dem mühevollen Reinigen meiner Bienenwachsreste kann ich das gut nachvollziehen. Wie wird aus dem sauberen Bienenwachs jetzt eine Kerze? Da gibt es zwei Möglichkeiten: gießen oder ziehen.

Dünne lange Kerzen bekommt man, indem man einen Docht immer wieder in flüssiges Wachs taucht und heraus zieht. Mit der Zeit wird die Wachsschicht immer dicker. Man macht das einfach so lange, bis die Kerze den gewünschten Durchmesser hat. Ich mag handgezogene Kerzen aus Bienenwachs sehr gerne, brauche aber für meinen Adventskranz eher kurze dicke Kerzen. Die bekommt man schneller, wenn man sie gießt. Deshalb habe ich mir Silikonformen in zwei Größen gekauft.

Kerzen aus Bienenwachs gießen
Kerzen aus Bienenwachs gießen
Kerzen aus Bienenwachs gießen
Kerzen aus Bienenwachs gießen

Die Silikonform hat an der Seite einen Schlitz, der bis zum halben Boden reicht. Hier wird der Docht festgeklemmt. Gummis halten die Form zusammen. Jetzt nur noch vorsichtig das flüssige Bienenwachs einfüllen. Damit der Docht schön in der Mitte bleibt, halte ich ihn fest und puste, bis sich eine Haut auf der Wachsoberfläche bildet. Es dauert nicht lange bis man die Bienenwachskerzen aus der Silikonform lösen kann. Am Anfang sind sie noch ganz warm und hell. Während sie Aushärten dunkeln sie ein wenig nach. Jetzt nur noch den überstehenden Docht auf der Unterseite abschneiden und den oberen Docht einkürzen. Fertig ist die selbst gegossene Kerze aus Bienenwachs. Der Geruch ist einfach unwiderstehlich. Er lässt mich vom Sommer träumen und von der nächsten Bienensaison.

Kerzen aus Bienenwachs gießen
Kerzen aus Bienenwachs gießen
Kerzen aus Bienenwachs gießen

Honigtag im Dezember

Bis dahin dauert es leider noch ein wenig. Wer vorher noch ein Glas Honig kaufen möchte ist herzlich eingeladen zu unserem zweiten Honigtag am 9. Dezember zwischen 12:00 und 15:00 Uhr bei uns im Garten vorbeizuschauen. Ich koche einen großen Topf alkoholfreien Punsch und es wird frisch gebackene Plätzchen geben. Der erste Honigtag im Juli war ein großer Erfolg. Wir haben uns wahnsinnig über die vielen Besucher und das große Interesse an den Bienen und dem Honig gefreut. Neben dem Honig wird es auch eine kleine Menge selbst gegossene Bienenwachskerzen und meine genialen Zero-Waste Grill- und Kaminanzünder geben. Also falls Ihr noch ein kleines Weihnachtsgeschenk braucht kommt vorbei. Sollte es (wie leider angekündigt) in Strömen regnen werden wir die Aktion in unser Büro in der Merheimerstraße 249 verlegen.

Kerzen aus Bienenwachs gießen
  1. Avatar for Wildes Gartenherz

    Oh Anja! Danke dir für die Anleitung. Und die Kerzen sehen richtig toll aus, einfach zauberhaft. Die haben einen Touch von Vintage.

    Lg

  2. Avatar for Fjonka

    Da bin ich jetzt aber wirklich neugierig, den Tipp mit der Zitronensäure hab ich noch nie gehört – möchte ich auf alle Fälle testen!
    Aber ich frage mich grad: das klären passiert (wie bei meinem Wachs auch) ab dem 2. Mal nicht mehr im Dampfentsafter, sondern im Topf mit Wasser, oder? Sonst wäre mir nicht klar, wie die Zitronensäure die Partikel binden könnte!?

    • Avatar for Die Gaertnerin
      Die Gaertnerin

      Liebe Fjonka,

      ich hab da gar nicht drüber nachgedacht und die Säure einfach nur ins Wasser gegeben. Das Wachs ist hellgelb, aber ob das jetzt an der Säure lag oder nicht? Ob die über den Dampf überhaupt wirkt? Ich weiß es nicht und ich gebe zu meine Chemiekenntnisse sind bescheiden. Vielleicht sollte ich mal einen Chemiker fragen.

      Liebe Grüße
      Anja

      • Avatar for Fjonka

        Also, mein Wachs ist auch hellgelb, ohne Zitronensäure *gg*
        Aber halt nicht soooooo sauber, die kleinsten Schwebstoffe flutschen durch jede Damenstrumpfhose und sind auch zu leicht, um sich unten zu sammeln und abgekratzt zu werden. Deshalb gefiel mir der Zitronensäuretipp so gut.
        Ich werde es einfach selbst mal ausprobieren, im letzten Durchgang im Topf.
        Grüße zurück von
        Fjonka

        • Avatar for Die Gaertnerin
          Die Gaertnerin

          Also sichtbare Partikel sind nicht mehr drin und es knistert auch nicht beim Abbrennen 🙂

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