Weinreben legen im Sommer ein rasantes Wachstum hin, das ist beeindruckend, aber um süße, große Trauben zu bekommen, musst du dieses Wachstum mit einem Sommerschnitt an deiner Weinrebe in produktive Bahnen leiten. Das hilft auch dabei, dass dein Wein gesund bleibt und von lästigem Mehltau verschont wird.
Video: Sommerschnitt Weinrebe
Jedes Jahr wächst dein Weinstock wie verrückt, aber die Trauben bleiben klein, sauer oder sie faulen dir gleich weg? Schluss damit! In diesem Video zeige ich dir, wie du mit dem Sommerschnitt an Weinreben das wilde Wachstum stoppst und dafür sorgst, dass die Pflanze die ganze Kraft in die Trauben steckt:
Sommerschnitt Wein
Falls du bislang dachtest, Wein schneidet man im Winter, lagst du leider falsch. Der Sommerschnitt an Wein, oder auch Grünschnitt genannt, ist der eigentliche Garant für eine gute Ernte. Er sorgt dafür, dass Licht und Luft an die Früchte kommen. Durch das ungebremste Wachstum verliert die Weinrebe viel Kraft und die Ranken wachsen so dicht. Pilzerkrankungen haben da leichtes Spiel und am Ende sind die Trauben klein, sauer und von einem weißen Mehltau-Pelz überzogen.
Wann ist der richtige Zeitpunkt für den Sommerschnitt an Wein?
Der ideale Zeitpunkt liegt zwischen Juni und August. Sobald deine Rebe erste Blütenansätze zeigt kannst du damit beginnen. Beim Sommerschnitt an Weinreben ist es auch nicht so, dass er auf einmal erledigt wird und dann wars das. Du muss in den Monaten Juni bis August immer mal wieder eingreifen und Triebe entfernen. Aber wenn du früh anfängst, bleibt der Aufwand wirklich überschaubar. Und vor allem sind die Regeln sehr einfach zu verstehen und umzusetzen.

Schere gut alles gut
Mit einer scharfen Schere gelingen Schnittmaßnahmen immer besser. Gut auch, wenn die Schere perfekt zur Hand passt. Ich habe kleine Hände und bin außerdem noch Linkshänder. Mein Scheren-Favorit ist daher die Felco für Linkshänder. Sie hat genau die richtige Größe für mich und liegt super in der Hand. Gibt es selbstverständlich auch für Rechtshänder und für große Hände 😉
- Ergonomie – Linkshänder
Sauber und scharf sollte die Schere natürlich auch sein. Deshalb am bestenvor dem Sommerschnitt an Weinreben desinfizieren.
Drei einfache Schnittregeln für den Sommerschnitt an Weinreben
Mit Schnittregeln ist das ja immer so eine Sache. Es liest sich einfach, aber in der Umsetzung, weiß man dann doch nicht so recht wo man die Schere ansetzen soll. Beim Sommerschnitt an Weinreben ist das anders. Es gibt drei einfache leicht verständliche und leicht umsetzbare Schnittregeln.
1. Triebe ohne Trauben entfernen
Beim Sommerschnitt werden zunächst alle Triebe entfernt, die bis jetzt keine Trauben tragen. Sie kosten die Pflanze Kraft und du kannst sie einfach am Ansatz wegschneiden. Du wirst sehen, dass die Pflanze danach schon viel luftiger wirkt. Wenn dein Wein schon sehr gerankt hat ist es vielleicht etwas schwierig die Ranken bis zum Ansatz zu verfolgen und zu schauen, ob sie Blütenansätze haben. Deshalb macht es Sinn, dass du mit dem Sommerschnitt an deinem Wein bereits im Juni beginnst. Hängt natürlich auch etwas von der Region ab in der du wohnst, aber warte damit besser nicht zu lange.

2. Triebe mit Blütenansätzen einkürzen
Jetzt schaust du dir die Triebe an, an denen sich schon Blütenansätze gebildet haben. Diese Triebe werden eingekürzt und dafür gibt es eine einfache Faustformel. Du zählst nach dem letzen Blütenansatz die Blätter. Nach dem fünften oder siebten Blatt schneidest du den Trieb einfach ab.

Lange Zeit wurde der Schnitt bereits nach dem zweiten Blatt empfohlen. Ich habe am Anfang meine Weinrebe auch so geschnitten. Aber man hat festgestellt, dass die Trauben doch mehr Blätter brauchen, damit sie auch eine gewisse Süße entwickeln können. Im letzten Jahr habe ich die neue Empfehlung umgesetzt und tatsächlich waren meine Trauben deutlich süßer.
3. Geiztriebe entfernen
Bei der dritten Schnittregel geht es um die sogenannten Geiztriebe. Die kennst du vielleicht schon von Tomaten. Beim Wein verhält es sich damit ganz ähnlich. Geiztriebe bilden sich in den Blattachseln und sie kosten die Pflanze unnötig viel Kraft. Die soll sie doch lieber in das Wachstum von leckeren Trauben stecken.
Du kannst Geiztriebe einfach mit den Fingern rausbrechen. Sie lassen sich ganz einfach rausnehmen. Wie bei den Tomaten, wachsen Geiztriebe auch am Wein ständig nach. Du musst also deine Weinrebe immer mal wieder überprüfen und neu gewachsene Geiztriebe regelmäßig entfernen. Das ist kein großer Aufwand, ich mache das einfach im Vorbeigehen und freue mich dabei jedesmal darüber, dass meine Trauben schon gewachsen sind.

Zum Schluss noch ein bisschen Kosmetik
Du hast Triebe ohne Trauben entfernt, Triebe mit Trauben nach dem fünften bis siebten Blatt eingekürzt und alle Geiztriebe entfernt, damit ist der Sommerschnitt an deiner Weinrebe im Prinzip erledigt. Was jetzt folgt ist keine Regel, eher ein bisschen Kosmetik oder Wellness für deine Rebe.
Die Trauben entwickeln sich am besten, wenn die Sonne auf sie scheint. Nicht unbedingt die knallige Mittagssonne, aber Morgensonne lieben sie schon sehr. Ich entferne deshalb nachdem der Sommerschnitt beendet ist noch einzelne Blätter, die einen Schatten auf Traubenhängel werfen. Man könnte das als Feinschnitt bezeichnen, als letzte Korrektur. Ich gehe dabei eher vorsichtig vor und entferne nur wenige Blätter.

Ich möchte, dass Sonne an die Trauben kommt und dass der Wind durch die Blätter wehen kann. Dann trocken sie nach einem Regen schnell ab und ich habe weniger Probleme mit Mehltau und anderen Pilzerkrankungen.
Ich will es aber auch nicht übertreiben, meine Trauben sollen keinen Sonnenbrand kriegen. Optimal ist es, wenn sie morgens schön Sonne haben, aber noch genügend Blätter da sind, die sie vor der grellen Mittagssonne schützen.
Weinblätter nach dem Rückschnitt nicht wegwerfen
Ich verwende die vielen Weinblätter die beim Sommerschnitt an meinem Wein anfallen gerne für die Zubereitung von gefüllten Weinblättern. Dafür sammle ich sie einfach, lege sie ordentlich aufeinander und friere sie so ein. Das spart mir später bei der Zubereitung den Schritt, die Blätter zu blanchieren. Ich kann sie einfach einzeln entnehmen und füllen. Ein Rezept dafür findest du hier: Gefüllte Weinblätter.






