Tomatenblätter rollen sich ein, braune Flecken und die Frage, ob du jetzt noch düngen sollst: Die Pflege deiner Tomaten im August ist entscheidend für eine fette Tomatenernte und aromatische Früchte. Doch extreme Sommerhitze und vor allem auch die Trockenheit macht den Pflanzen ganz schön zu schaffen.

Video: Tomatenblätter eingerollt?

Nicht erschrecken, wenn sich die Blätter deiner Tomatenpflanzen kräuseln. In diesem Video zeige ich dir, warum das passiert und welche Maßnahmen wirklich helfen. Anstatt sofort zu Wasser oder Dünger zu greifen, lernst du, die Bedürfnisse deiner Pflanzen richtig zu deuten. Das Ziel ist eine gesunde Ernte, auch wenn die Optik der Blätter zunächst Sorgen bereitet:

Tomatenpflege im August: So sieht es in meinem Beet aus

Anfang August hängen meine Tomatenpflanzen rappelvoll. Von den ersten frühen Sorten wie ‚Platte Vierländer‘ und ‚Bonner Beste‘ habe ich bereits geerntet. Die dickeren Fleischtomaten, wie die wunderbare Sorte ‚Granny Throwing‘, brauchen noch ein bisschen Sonne, bis sie ganz reif sind.

Große Fleischtomaten

Das Wetter hat es dieses Jahr sehr gut mit den Tomaten gemeint – es war heiß und trocken. Meine Tomatendächer, die mir in den letzten 10 Jahren treue Dienste geleistet haben, hätte ich bei dieser extremen Trockenheit gar nicht gebraucht. Seit rund acht Wochen gab es bei uns keinen nennenswerten Regen mehr. Stattdessen extreme Hitze von über 35 °C und unter den Dächern wird es noch heißer. Und genau hier liegt das Problem.

Eingerollte Blätter: Kein Mangel, sondern Hitzestress!

Wenn sich die Blätter deiner Tomaten jetzt einrollen, liegt das oft weder an deinem Gießverhalten noch an Nährstoffmangel.

Bei Temperaturen weit über 30 °C wird es selbst den wärmeliebenden Tomaten zu viel. Das Einrollen ist eine reine Schutz- und Abwehrreaktion der Pflanze auf den extremen Hitzestress, um die Verdunstung über die Blätter zu reduzieren.

eingerolltes Tomatenblatt

Früchte mit braunen Flecken? Keine Panik vor der Blütenendfäule

Ein anderes Phänomen, das bei extremer Hitze verstärkt auftritt, sind tiefbraune oder schwarze Flecken an der Unterseite der Früchte. Das ist die sogenannte Blütenendfäule.

Die wichtigste Entwarnung vorweg: Mach dir keine Sorgen, die Tomaten sind nicht giftig!

Woher kommt die Blütenendfäule?

Es ist eine reine Ernährungsstörung der Pflanze. Zum einen sind manche längliche Tomatensorten (wie Flaschentomaten) genetisch anfälliger dafür. Zum anderen fehlt den Früchten Calcium.

Blütenendfäule an Tomate

Das liegt meistens an unregelmäßigen Wassergaben bei großer Hitze. Ohne automatische Bewässerung ist es mir im Schrebergarten fast ummöglich, die Erde konstant feucht zu halten. Fehlt das Wasser, kann die Pflanze das im Boden vorhandene Calcium nicht mehr bis in die Spitzen der Früchte transportieren. Auch zu viel Stickstoff im Pflanzloch (z. B. durch Überdüngung beim Einpflanzen) kann die Calciumaufnahme blockieren.

Ich habe das Problem nur an einer Pflanze und vermute, dass ich da aus Versehen zu viel Dünger ins Pflanzloch gegeben habe.

Der Bewässerungs-Hack: Schafwolle als Wasserspeicher

Eine gleichmäßige Wasserversorgung ist im August das A und O – nicht nur, um Blütenendfäule zu verhindern, sondern für das gesamte Wachstum. Mein absoluter Gamechanger in diesem Jahr ist ungewaschene Schafwolle.

Ich bekomme sie frisch vom Biobauern geschenkt (viele Schäfer verschenken sie, da sie oft nicht wirtschaftlich verkäuflich ist), du findest sie aber auch für kleines Geld im Internet.

Schafswolle als Wasserspeicher an Tomatenpflanze

Community-Tipp gegen Vögel & Wind: Falls Vögel die Wolle für den Nestbau stibbitzen wollen oder der Wind sie verweht, fixiere sie einfach mit selbstgebogenen U-Haken aus Draht am Boden. Alternativ kannst du den Vögeln an einer anderen Stelle im Garten etwas Wolle extra bereitlegen.

Tomaten kappen: Warum jetzt die Schere ran muss

Die meisten Tomaten haben ein unbegrenztes Wachstum und würden theoretisch bis in den Himmel wachsen 😉 Doch ab Mitte August läuft uns schlichtweg die Zeit davon.

Pflege-Tipps für Tomaten im August: Spitze kappen

Aus neuen Blüten, die sich jetzt bilden, werden vor dem Herbst keine reifen Früchte mehr. Die Tage werden kürzer und die Temperaturen sinken. Lässt du die Pflanze einfach weiterwachsen, verschwendet sie wertvolle Energie. Ich kappe die Spitzen, damit die Tomate all ihre Kraft in das Ausreifen, Groß- und Rotwerden der bereits vorhandenen Früchte steckt.

Tomaten Schritt-für-Schritt richtig kappen:

  1. Haupttrieb schneiden: Gehe die Pflanze nach oben durch und suche den letzten Fruchtansatz, an dem schon kleine Tomaten hängen. Lass genau ein Blatt darüber stehen und schneide den Haupttrieb ab.
  2. Blüten entfernen: Schneide alle neuen Seitentriebe und reinen Blütenstände konsequent weg.
  3. Untere Blätter entfernen: Schneide alle Blätter weg, die sich unterhalb des ersten (untersten) Fruchtansatzes befinden. Das macht die Pflanze von unten luftig und erleichtert die Ernte (z.B. bei meiner geliebten Sorte „Schlesische Himbeere“).

Kraut- und Braunfäule vorbeugen & richtig düngen

In normalen, regnerischen August-Monaten ist die Kraut- und Braunfäule der größte Feind im Beet. Das beste Gegenmittel ist auch hier: Die unteren Blätter entfernen! Dadurch steht die Pflanze luftig und nasse Blätter trocknen nach einem Schauer sofort wieder ab.

Tomatenpflanze mit vielen reifen Früchten

Der richtige Dünger-Fahrplan für Tomaten im Spätsommer:

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  • 🍅 Spezialdünger für Tomatenpflanzen – Biopon Wapnella wurde speziell für Tomatenpflanzen entwickelt und unterstützt deren spezifische Bedürfnisse optimal.​

So einfach geht die Beinwelljauche: Schneide den Beinwell klein, fülle ihn in einen Eimer mit Wasser und lass das Ganze mit Deckel für mindestens 14 Tage gären. Anschließend im Verhältnis 1:10 verdünnt an die Tomaten gießen. Mehr über den Einsatz von Jauchen: Pflanzenschutz mit Jauche, Tee und Brühe.

Tomatendach als Schutz vor Braunfäule

Ich baue meine Tomaten seit Jahren unter einem offenen transparenten Dach an. Dieses Jahr hätte ich mangels Regen leicht auf diesen Schutz verzichten können, aber in feuchten Jahren halten diese Dächer meine Tomaten gesund.

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Geniales Upcycling: Tomaten-Abfall als Superdünger für Kohl

Wohin nun mit den Blättern vom Tomaten-Rückschnitt? Da die Blätter vollgepackt mit Stickstoff sind, gehören sie ab August nicht mehr ins Tomatenbeet. Dein Kohl hingegen lechzt jetzt im Spätsommer nach genau diesem Nährstoff!

Du hast zwei fantastische Möglichkeiten, die Reste zu verwerten:

  1. Die Tomatenjauche: Setze die abgeschnittenen Blätter genau wie den Beinwell als Jauche an (14 Tage gären lassen). Verdünnt im Verhältnis 1:10 ist sie der perfekte Gratis-Dünger für deinen Kohl.
  2. Direkt als Mulchschicht: Wer keine Lust auf stinkende Jauche hat, schneidet die Blätter klein und legt sie direkt als Mulchschicht ins Kohlbeet.

Biologischer Schädlingsschutz inklusive

Wenn du Tomaten schneidest, bemerkst du schnell den klebrigen, grünen Film an deinen Fingern. Das ist der natürliche Schutzstoff der Tomate gegen Schädlinge.

Nutzt du das Kraut als Mulch im Kohlbeet, verströmt es einen intensiven Tomatengeruch. Dieser Geruch verwirrt die Kohlweißlinge perfekt. Die Schmetterlinge meiden dein Beet, legen keine Eier ab und dein Kohl bleibt mit ein bisschen Glück raupenfrei!

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