Deine Tomaten werden nicht rot, jedenfalls nicht gleichmäßig. Oben am Stiel bleibt ein grüner Kragen stehen. Woran liegt das, sind die Früchte trotzdem essbar und was kannst du gegen den sogenannten Grünkragen tun?
Video: Tomaten werden nicht rot – 4 Sofort-Tipps gegen Grünkragen
Warum werden deine Tomaten oben am Stiel nicht rot und bleiben hart? 🍅 Das ist der sogenannte „Grünkragen“ (auch „Gelber Sattel“ genannt). In diesem Video erkläre ich dir, was genau dahintersteckt, ob die grünen Stellen giftig sind und wie du deine Tomaten künftig gleichmäßig reif bekommst.
Tomaten mit Grünkragen
Für das Phänomen, dass Tomaten nicht gleichmäßig rot werden, gibt es tatsächlich einen botanischen Fachbegriff. Man spricht vom Grünkragen oder machmal auch vom Gelbkragen. Ich finde, dieser Begriff trifft es relativ gut, weil es tatsächlich so aussieht, als hätte sich die Tomate einen grünen Kragen umgelegt.
Grünkragen – sind betroffene Tomaten giftig?
Direkt am Anfang schon mal die Information: Giftig ist eine Tomate mit Grünkragen nicht. Zumindest nicht die ganze Tomate. Die Früchte haben weder einen Pilz, noch einen Virus, noch eine andere Krankheit. Nur die grünen Stellen sind ungenießbar. Du kannst sie aber einfach wegschneiden, der Rest der Tomate ist dann absolut genießbar und lecker.

In den grünen Stellen ist die Konzentration von Solanin hoch und du solltest sie, genau wie den grünen Strunk der Tomate, nicht verzehren. Solanin kennst du vielleicht von den grünen Stellen an Kartoffeln. Dieser Stoff ist giftig und er wird auch beim Kochen nicht zerstört.
Wenn du zu viel Solanin zu dir nimmst äußert sich das mit:
- Kratzen und Brennen im Hals
- Übelkeit, Erbrechen und Magen-Darm-Schmerzen
- Kopfschmerzen und Benommenheit bei hohen Dosen
Ich hatte das einmal nachdem ich stark gekeimte Kartoffeln noch gekocht und gegessen hatte und es war wirklich unangenehm. Probiere es lieber nicht selbst aus.
Grünkragen bei Tomaten – die Ursachen
Bei der Grünkragen-Krankheit handelt es sich im Prinzip um eine physiologische Reifestörung. Zur Erklärung ein kleiner Ausflug in die Biologie der Tomate. Wenn sich die Frucht bildet ist sie zunächst grün. Dafür ist das Chlorophyll verantwortlich. Im Laufe der Reifung verwandelt sich das grüne Chlorophyll mit Hilfe von Photosynthese in den roten Farbstoff Lycopin. Was passiert wenn die Tomate nicht vollständig rot wird? Dann ist die Umwandlung von Chlorophyll in Lycopin gestört und dafür gibt es verschiedene Ursachen.
1. Ursache: Hitze und Sonne
Die Hauptursache dafür, dass Tomaten nicht rot werden und einen Grünkragen bilden, ist in diesem heißen Sommer, wie für so viele andere Sachen, die uns im Garten momentan Probleme bereiten, die Hitze.
Sobald die Frucht eine Temperatur von 30° erreicht hat – und da geht es tatsächlich um die Frucht, nicht um die Lufttemperatur – wird die Umwandlung von Chlorophyll in Lycopin gestoppt.

Eigentlich taucht dieses Temperaturproblem vor allem in Gewächshäusern auf. Dort kommt es schnell zu einem Hitzestau und zu Lufttemperaturen von 50°/60° und darüber.
Bei den aktuellen Lufttemperaturen und 14 Stunden Sonnenschein passiert das aber leider auch bei im Freiland angebauten Tomaten. Meine stehen luftig unter einem Tomatendach und dennoch sind einige Pflanzen betroffen. Das kann aber auch an den anderen Ursachen für Grünkragen bei Tomaten liegen. Bei meinen Pflanzen vermute ich eher, das Ursache 5 zutrifft.
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2. Ursache: Kaliummangel
Kalium ist für den Transport von Zuckern und für eine gleichmäßige Fruchtreife verantwortlich. Fehlt es, werden die Tomaten nicht rot und das Gewebe um den Stiel herum bleibt hart und grün. Es muss aber nicht sein, dass zu wenig Kalium in der Erde vorhanden ist, siehe Ursache 3.
3. Ursache: Zu viel Stickstoff
Stickstoff fördert das Wachstum von Tomaten und am Anfang der Saison direkt nach der Pflanzung braucht die Tomate reichlich davon, um sich zu einer starken Pflanze zu entwickeln. In einem späteren Stadium führt zu viel Stickstoff allerdings dazu, dass die Tomaten nicht rot werden. Zu viel Stickstoff stört die Fruchtreife, unter anderem weil der Stickstoffüberschuss die Aufnahme von Kalium blockiert.
4. Ursache: Falsches Gießen
Tomaten belohnen eine gleichmäßige Wasserversorgung mit gutem Wachstum und vielen Früchten. Auf starke Schwankungen bei der Wasserzufuhr oder Staunässe reagieren sie empfindlich. Die Aufnahme von Nährstoffen über die Wurzeln wird dann gestört und in der Folge kommt es dann unter anderem dazu, dass die Tomaten nicht rot werden.

5. Ursache: Die Genetik
Einige alte Tomatensorten sind von Natur aus anfälliger für die Bildung eines Grünkragens. Dazu gehört zum Beispiel auch meine Lieblingstomate, die ‚Schlesische Himbeere‘. Das ist auch eine der Sorten, die es in meinem Tomatenbeet dieses Jahr erwischt hat. Auch das ‚Andenhorn‘ neigt dazu einen Grünkragen zu bilden. Mir ist das egal. Ich nehme es in Kauf, weil die Früchte echt lecker sind.

4 Sofort-Tipps wenn Tomaten nicht rot werden
Die Ursachen dafür, dass deine Tomaten nicht rot werden kennst du jetzt, aber was kannst du dagegen tun? Also für dieses Jahr würde ich sagen, ist das weitgehend durch. Wir sind mitten in der Ernte, da lässt sich jetzt nicht mehr viel ändern. Da musst du dich aufs Wegschneiden begrenzen. Aber nach der Saison ist ja immer vor der Saison.
1. Tipp: Richtig lüften & schattieren
Nächstes Jahr gibt es eine neue Tomatensaison und da heißt es: Achte darauf, dass die Lufttemperatur in deinem Gewächshaus nicht zu hoch wird. Öffne beide Türen zum Lüften und kümmere dich rechtzeitig um eine Schattierungsmöglichkeit.
Einfach und kostengünstig geht das mit einem Gemisch aus Wasser und Mehl. Das macht die Fenster blind und lässt sich am Ende der Saison einfach mit Wasser abwaschen. Als vorübergehende Lösung kannst du auch ein altes Bettlaken aufhängen. Da macht unser Gartennachbar Horst an sehr sonnigen Tagen an seinem Tomatenhaus so und er fährt gut damit. Es gibt aber auch einfach anzubringende Schattierungsnetze in verschiedenen Größen.
- Gleichmäßige Sonneneinstrahlung: Schattiernetz mit 60 % Schattierwirkung lassen nur 40% des Sonnenlichts durch. Diese Eigenschaft ist besonders nützlich für Pflanzen, die nur wenig Sonnenlicht benötigen oder in Gebieten mit vielen Sonnentagen.
2. Tipp: Ab Blüte Kaliumbetont düngen
Sobald sich Blüten und erste Früchte an deinen Tomaten bilden solltest du bevorzugt mit einem kaliumbetonten Dünger düngen. Den kannst du fertig kaufen, wie z.B. diesen hier:
- Hochwertiger Spezial-Langzeitdünger für alle Arten von Tomaten und anderes Frucht- und Knollenbildendes Feingemüse sowie Kräuter
Oder du machst ihn dir einfach selbst. Dafür brauchst du nur ein paar Beinwell Pflanzen in deinem Garten. Beinwellblätter enthalten viel Kalium. Du kannst aus den Blättern eine Jauche herstellen und deine Tomaten wöchentlich 1:10 verdünnt damit gießen.

Einfach die Blätter abschneiden, klein machen, mit Wasser übergießen, 14 Tage stehen lassen und schon ist dein selbstgemachter Kaliumdünger einsatzbereit. Mehr über die Wirkung von Jauche erfährst du hier: Pflanzenschutz mit Jauche, Brühe und Tee.
3. Tipp: Blätter als Sonnenschutz stehen lassen
Im Laufe einer Tomaten Saison lichte ich meine Tomaten immer mal wieder aus. Ich entferne Geiztriebe, aber auch Blätter, wenn der Wuchs zu dicht wird. Das schützt in feuchten Jahren vor Krankheiten wie Braunfäule. In heißen sonnigen Jahren braucht die Tomatenpflanze ihre Blätter aber zum Schutz vor zu viel Sonne. Sie dienen den Früchten quasi als Sonnenschirm. Also lieber nicht zu viele Blätter entfernen. Am besten nur die unteren bis zur ersten Frucht.

4. Tipp: Mulchen und gleichmäßig gießen
Eine der Ursachen für die Bildung eines Grünkragens liegt in unregelmäßigen Wassergaben. Dabei ist es egal ob die Wurzeln austrocknen oder zu lange im Wasser stehen. Beides bereitet der Pflanze Stress und Stress verhindert den Transport von Nährstoffen in die Früchte und die Tomaten werden nicht rot.
Du kannst das verhindern indem du für eine gleichmäßige Boden-Feuchtigkeit sorgst. Am einfachsten ist das mit einer automatischen Tröpfchenbewässerung. Auch ein neben der Pflanze eingegrabener Tontopf hilft sehr die Erde in der Tiefe länger feucht zu halten.
Zusätzlich kannst du mit einer dicken Mulchschicht dafür sorgen, dass die Feuchtigkeit nicht so schnell verdunstet. Mein bevorzugtes Mulch-Material ist Schafwolle. Du kannst aber auch Stroh nehmen oder kleingeschnittene Beinwellblätter, wenn du davon genügend hast.

Fazit: Tomaten werden nicht rot
- Lass mich noch mal alle Punkte zusammenfassen.
- Ein grüner Kragen bei einer Tomate ist kein Weltuntergang.
- Die Tomate ist nicht giftig.
- Du kannst ihn wegschneiden und die Tomate essen.
- Wenn du einen Grünkragen verhindern willst, braucht deine Tomate einfach nur ein bisschen Liebe von Anfang an durch das ganze Tomatenjahr hindurch.
- Wenn du wissen willst, wie man eine Tomate richtig liebt, schau dir doch einfach unsere anderen Beiträge zum Anbau von Tomaten an:
Tomaten pflanzen – meine Tipps für eine fette Ernte
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